Entwicklungszusammenarbeit

 


Nein, es gibt natürlich noch viele weitere Facetten. Auch ohne Elektroautos schätzt das Umweltbundesamt, dass die NO x Emission der herkömmlichen Kraftfahrzeuge bis um 56 Prozent niedriger sein wird als im Jahr und die Feinstaub-Emission sogar um 82 Prozent niedriger - alleine durch die Verbreitung der Euro-6 Norm und Partikelfilter. Und damit bist jetzt nicht du gemeint. Andere schlagen vor, dass mehr politische Initiative benötigt wird. Aber vorher hat sie ein Netz aus Poesie gesponnen, aus dem sich der Leser weder befreien kann noch will.

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Die Behörde muss zu wenig bezahlte Leistungen bis zu vier Jahre lang nachzahlen. Eine neue ständige Rechtsprechung soll nur dann die rückwirkende Nachzahlung verhindern, wenn die Behörden die alte Rechtslage bundesweit einheitlich angewandt haben.

Das ist praktisch nie der Fall, jedenfalls schwer zu beweisen. Deshalb will Nahles nun dieses BSG-Urteil aushebeln und nur noch auf die einheitliche Rechtspraxis des zuständigen Jobcenters abstellen.

Mit mehr sozialer Gerechtigkeit Vertrauen gewinnen. Der vorliegende Gesetzesentwurf habe mit Entbürokratisierung so gut wie nichts zu tun, sondern verschärfe vor allem Kontroll- und Sanktionsmechanismen. Für Millionen Betroffene drohten künftig Leistungseinschnitte.

Der Paritätische fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestags auf, das Gesamtpaket fallen zu lassen. Ein Widerspruch zu den EU-Wettbewerbsregeln? Die Europäische Kommission argumentiert die Durchsetzung von Markt- und Wettbewerbsregeln auch in den Bereichen der öffentlichen Dienstleistungen bzw der Daseinsvorsorge immer mit der zu erreichenden höheren Effizienz und einem besseren Kundennutzen. Im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs auf der Schiene droht sie dabei jedoch dieses hehre Ziel aus den Augen zu verlieren und will Wettbewerb gegen die Interessen der Fahrgäste und das öffentliche Interesse durchsetzen.

Deshalb geht es bei den ÖBB spannend wie in einem Wirtschaftskrimi zu: Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung! Aber auch illegale Beihilfen und Intransparenz bei der Preisgestaltung stehen am Pranger. Was ist da los? Geheime Machenschaften, dunkle Finanzströme, Geldwäsche, Korruption? Es geht um die einfache Frage, ob das Angebot eines qualitativ hochwertigen öffentlichen Nahverkehrs durch den Staat für seine BürgerInnen im Rahmen des EU-Wettbewerbskorsetts möglich ist.

Oder ob das Konzept, das dazu geführt hat, dass Österreich nach der Schweiz den bestausgebauten öffentlichen Nahverkehr bietet und die zufriedensten Bahnpassagiere hat unzulässigen Verdrängungswettbewerb darstellt. Deren Anzahl ist inzwischen auf 24[2] solcher Einrichtungen angewachsen Tendenz steigend , womit die Frage in den Vordergrund rückt, welche Bedeutung diese für die Nato haben.

Die gesamte Studie kann hier aufgerufen werden. Als Beschreibung sei Gaulands kolportierte Aussage wohl nicht falsch; interessant sei aber, dass der AfD-Vizevorsitzende das nicht bedaure, sondern politisches Kapital daraus schlagen wolle: Wenn man anmahnt, dass es in diesem Bereich noch viel zu tun gibt, dann ist es keine Unverantwortlichkeit. Deutschlandfunk Hochwatergate Stell Dir vor, es ist Naturkatastrophe in Deutschland, Menschen sterben, werden schwer verletzt.

Und das ganze Leid, die ganze Katastrophe findet im Stillen statt. Das Drama hatte schon am Nachmittag begonnen und sich dann laufend in den Abend und in die Nacht gesteigert. Was haben die zuständigen öffentlich-rechtlichen Medien unternommen, um ihre Existenz zu rechtfertigen, von Bürgern bezahlt zu werden und diese zu beschützen?

Warum wir dabei sind. Warum du dabei sein solltest Viele haben das Gefühl, dass gerade alles schlimmer wird. Dem können wir etwas entgegensetzen, wenn wir uns in Politik involvieren und aktiv werden. Das ist das Ziel der Aufbruch-Aktionskonferenz, die am 3. Juni in Wien-Liesing stattfindet. Wie es dazu gekommen ist, warum wir den Aufbruch als mosaik-Redaktion richtig und wichtig finden und warum wir meinen, dass auch ihr euch daran beteiligen sollt, erfahrt ihr hier.

Seit mehr als einem Jahr analysieren, kommentieren und kritisieren wir die österreichische Politik. Als wir den mosaik-blog starteten, gingen wir von einer einfachen These aus: Es gibt Alternativen zu den herrschenden Verhältnissen in Österreich, es gibt vielfältiges Wissen, es gibt zahlreiche Erfahrungen die für eine positive Veränderung der österreichischen Gesellschaft eingesetzt werden könnten.

Doch sie kommen in den etablierten Medien ebenso wenig vor wie in der Parteienlandschaft. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem diese Alternativen zusammen kommen und wahrgenommen werden.

Im mosaik soll sich abbilden, was im herrschenden Politik- und Medienbetrieb meist unsichtbar gemacht wird. Das trifft aber auch auf uns selbst zu. So weiter zu machen wie bisher, in vereinzelten Projekten oft nebeneinander, manchmal auch gegeneinander arbeitend, wäre fahrlässig.

Ausbrechen aus alten Gewohn- und Gewissheiten, raus aus der Komfortzone. Die Aufbruch-Aktionskonferenz soll der Startschuss für eine breit angelegte Kampagne sein, die die Wut, die wir selbst und viele andere im Bauch tragen, in die Gesellschaft trägt.

Durch Präsenz im öffentlichen Raum, durch spektakuläre Aktionen, indem wir unsere Botschaften und Forderungen prominent in die Medien bringen. Vor allem aber indem wir in den Grätzeln, Stadtteilen und Ortschaften, am Arbeitsplatz, an Schulen und Hochschulen mit den vielen Menschen ins Gespräch kommen, die das Scheitern der herrschenden Elitenpolitik in ihrem eigenen Alltag erfahren.

Mehr über die Initiative in Österreich können Sie hier erfahren. Er sprach mit Zeitzeugen nutzte unter anderem Dokumente, die Edward Snowden öffentlich gemacht hat. Der Domen ist ein ganz besonderer Ort in der Finnmark. Hier ist Norwegen zu Ende. Eisige Polarwinde fegen über die Landspitze hinweg, und der Ausblick auf die schneebedeckten Berghänge ist grandios.

Der Horizont erstreckt sich so weit, dass man geradezu die Krümmung der Erdoberfläche erahnen kann. Vom höchsten Gipfel sieht man den östlichsten Punkt des Landes.

Aber dahinter sieht man noch etwas anderes: Hier führt die mächtige Nordmeerflotte ihre Manöver durch, und der Luftraum ist Tummelplatz für russische Kampfflugzeuge, die von hier zu ihren Erkundungsflügen aufbrechen. Und noch weiter oben, über den Pol hinweg, verlaufen die Flugbahnen für Interkontinentalraketen.

Doch was in ihrem Inneren genau passiert — das erahnen die Anwohner allenfalls. Aber seine Aufgabe besteht in Wirklichkeit aus Spionageeinsätzen auf der Barentssee. Aber Wormdal stellt zu Recht auch eine ganz entscheidende Forderung in den Raum: Wenn diese Abhörpraktiken auch in Zukunft benötigt werden, wenn Norwegen dafür Millionensummen ausgibt und sich dabei zum willfährigen Vasallen der USA macht — dann muss der Öffentlichkeit zumindest ansatzweise reiner Wein eingeschenkt werden.

Deutschlandfunk Zu mächtig — und gleichzeitig zu schwach Welche Position muss Deutschland in Europa einnehmen? Einerseits sei Deutschland zu mächtig, um keine führende Rolle zu spielen, andererseits zu schwach, um auf dem Kontinent für Stabilität zu sorgen.

Kritik übt Kundnani vor allem am deutschen Wirtschaftsnationalismus. Aber nur in geopolitischer Hinsicht, nicht in ökonomischer, so der Autor. Was die wirtschaftliche Leistungsbilanz angeht, also die Exportoffensive der deutschen Wirtschaft, sei die deutsche Frage weiter virulent. Der Autor sieht darin eine neue Form des Wirtschaftsnationalismus: Deutschland war schon immer stolz darauf gewesen, Exportweltmeister zu sein, doch in den er-Jahren schienen Exporte nicht nur für die deutsche Wirtschaft, sondern auch für das deutsche Nationalgefühl von zentraler Bedeutung zu sein: Die Deutschen betrachteten sich zunehmend als Exportnation.

Überzeugend legt Kundnani dar, wie Deutschland seine Wirtschaftsmacht dazu einsetzt, den anderen Staaten in Europa eine Austeritätspolitik aufzuherrschen, die etwa im Fall Griechenland nicht einmal der Internationale Währungsfonds für ökonomisch umsetzbar hält. Während die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung heute über rund zwei Drittel des Vermögens verfügen, wächst trotz Wirtschaftswachstums und Rekordbeschäftigung die Armut.

In einigen deutschen Metropolen gilt bereits jedes vierte Kind als armutsgefährdet. Wie kann das sein in einem der reichsten Länder der Welt? Wie kann mehr Gerechtigkeit geschaffen werden? Reinhold Beckmann und sein Team begeben sich auf Spurensuche in einem gespaltenen Land.

Sie besuchen den Kalker Mittagstisch in Köln, wo jeden Tag mehr als einhundert Kinder und Jugendliche kostenlos ein warmes Essen erhalten, da sie zu Hause nicht mehr ausreichend versorgt werden. Verändert habe sich wenig. Fehlt es am politischen Willen? Franzosen gehen früh in Rente im Schnitt mit 60 Jahren und bekommen dann ein vergleichsweise hohes Ruhestandsgeld.

Zuvor arbeiten sie so wenige Wochenstunden wie kaum eine andere Nation. Und während in vielen anderen Ländern seit Mitte der Nullerjahre die durchschnittlichen Jahresarbeitszeiten wieder angestiegen sind, auch in Deutschland, liegen sie in Frankreich unverändert niedrig, wie die Stockholmer Wirtschaftsforscher Timo Boppart und Per Krusell ermittelt haben.

Kein anderer westlicher Staat gibt soviel für Soziales aus: Ach ja, auch die gesetzlichen Mindestlöhne sind so hoch wie nirgends sonst in der EU zwei Drittel des mittleren Einkommens. Frankreich lebt eindeutig über seine Verhältnisse. In Frankreich geht diese Rechnung nicht mehr auf: Das gallische Wachstum ist schwach, es entstehen zu wenige Jobs.

Arbeitslosigkeit ist das Top-Thema im Land. Ein Viertel der Jugendlichen sind betroffen. Zudem hat sich die französische Wirtschaft seit , anders als die deutsche, im Durchschnitt fast exakt an das Inflationsziel der EZB angepasst: Dadurch hat Frankreich für eine vernünftige Entwicklung seiner Binnennachfrage gesorgt, von der gerade auch Deutschlands Exporte profitierten.

Gänzlich unverschämt wird es, wenn Müller Frankreich eine steigende Verschuldung vorwirft. Zu Deutschlands von Rekordwert zu Rekordwert eilenden Exportüberschuss befragt, würde Müller daran sicher nichts auszusetzen haben, diesen sogar als Vorteil betrachten, dass aber der Exportüberschuss des einen, die Schulden des anderen sind, scheint für einen Neoliberalen aber einfach zu hoch zu sein.

Preise und Lohnstückkosten — unter welchem Druck steht Frankreich? Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung. Linkspartei Dokumentarfilmer antwortet Xavier-Naidoo-Kritikern: Warum du dabei sein solltest Rezensionen TV-Tipp: Beckmann — Die geteilte Gesellschaft Das Letzte: Bigott in Frankreich Vorbemerkung: Der Rechtsruck manifestiert sich u.

Sie ist wohl etwas weiter: In den Hauptreden des Parteitags spielte all das keine Rolle, nur in der Debatte. Wer so vom Rechtsruck redet, aber vom realen Unheil schweigt, der lenkt nicht nur ab, er überlässt der AfD ein Feld, auf dem sie mit Erfolg ackern wird.

Die Ursache für diese Rechtsentwicklung ist die seit Jahrzehnten grassierende neoliberale Politik, die alles dafür tut, die Gesellschaft zu spalten. Doch die blauen Hassprediger können keine Alternative sein: Sie ist Teil davon. Sie ist eine neoliberale Partei! Die AfD steht für Sozialabbau und Ungleichheit. Besonders hart geht er in einem Gastbeitrag für kress.

Woetzels Beitrag ist ein wichtiges Plädoyer für Journalismus, der sich halt nicht von Vorurteilen und Konstruktionen treiben lässt. Er bezieht sich dabei auf den gerade 12 Minuten langen Part in einer minütigen Doku über Naidoo und dessen geplante Teilnahme am Eurovision Song Contest in Stockholm Man hätte die Kritiker ausführlich zu Wort kommen lassen müssen.

Stattdessen verlässt man sich auf seine Peer Groups in der Käseglocke des journalistischen Milieus. Deshalb gibt es exklusiv für den Medienkritiker und seine Abschreiber hier ein paar Antworten auf diesen Artikel. Dazu gehören eine Kürzung der Pensionen und eine Erhöhung der direkten und indirekten Steuern. Den Verkauf von notleidenden Krediten und schwer verkäuflichen Vermögenswerten von Banken an private Fonds. Doch sind ihre paragrammatischen Untersuchungen nicht zuletzt stille Meditationen darüber, wie Sprache das Andere und den Anderen ausgrenzt und verbannt.

Durch vertrackte, Sprachen kreuzende Wortspiele und sprachklangliche Stimmerkundungen führt sie ausgreifende philosophische und linguistische Fragestellungen auf deren Kernpunkte zurück, oft im Zusammenspiel von akustischen und formalen Eigenschaften. Ihre zugleich spielerischen und strengen Konzeptstücke evozieren Dada und Fluxus sowie die Traditionen von konkreter und Lautpoesie. Hier zerstiebt Welt und wird wieder zusammengesetzt, transformiert, vielfältig lesbar, Musik.

Hier können verschiedene Stimmen gleichzeitig autonom sein und zusammenfinden. Hier schwirren Erinnerungen, überlagern sich, schmelzen ineinander.

Hier wird hören oder noch-nichthören Bild für sich noch-nichterinnern, zeigen, entschwinden. Hier reisen wir um die Welt in verschiedenen Sprachen, versuchen die eigene und fremde Sprache auszusprechen.

Hier finden wir uns in Bedeutung, im Klang, im Stammeln. Dieser streng-schönen Ordnung ihrer materiellen Grundbausteine steht eine unüberschaubar-verworrene Vielfalt von Gegenständen und Lebewesen, Phänomenen und Prozessen gegenüber, an deren Bestimmung und Vermittlung sich Sprache abarbeitet, sie in ihren Vokabularen spiegelt und verwandelt.

Steffen Popp hat seinem Erstaunen über diesen Kontrast, über das Viele, das aus so wenigem entsteht, in Gedichten leichten und schwungvollen Ausdruck verliehen. Wuchern und Dunkel, zwei Schwestern ein Puls.

Alles wächst innen, unendlich in einem unendlichen Pool. Leichengeschmack deiner Prothesen im Denken, Unsummen in Wüsten versenkt, die deine Technik kaufen, die dich später bekämpft.

Hydra wägt träge das ein oder andere Haupt. Deine SkinCare kostet mehr als ein Barrel. Die Aufzeichnungen sind wie wegloses Gehen, oft kreis- oder spiralförmig, dann wieder Schritt vor Schritt geradeaus auf hohem Grat. Zeit wäre kein sentimentales, melodiöses Vorüberziehen verpasster und genutzter Chancen, sondern ein kreisrunder Raum, in dem Anfang und Ende beisammen sind. Gras wachsen lassen, die Zeit wie minimale Filme von Zukunft auf den Lidern spüren, die zukünftige weiche Weite aus flauschigem Grün Wandlung im Geist: In der Wissenschaft wird seit einiger Zeit die Frage diskutiert, ob sich die vom Menschen hervorgerufenen Veränderungen in geologischer Form niederschlagen und so langfristig sind, dass das Menschenzeitalter bereits ein neues Erdzeitalter ausgelöst hat.

Gibt es schon so etwas wie eine poetische Ästhetik des Anthropozäns? Vielleicht eine erneuerte Form von Naturlyrik oder Ecopoetics für das Oder wie könnte sie aussehen, sich lesen? Er liefert das Fleisch für die Fossilienknochen des Anthropozän-Begriffs und koppelt ihn an die tägliche Lebenswelt zurück.

Zugleich greift sie aus in Zeit und Raum, verhandelt Darwins Passatstaubproben ebenso wie Bohrinseln in Mexiko, brennende Ameisenbären im Regenwald und die Reaktorkatastrophe in Fukushima. Daniela Seel , Anja Bayer Hg. Was geschieht, wenn diese Erinnerungsprozesse im Gedicht fortgeschrieben werden?

Die Frau mit den Kuckuckshänden taucht auf, begleitet Sie. Kleine Blätter fallen aus dem Licht über den Baumstümpfen. Geister von Ponys wissen den Weg. Früher oder später gelangen Sie in eine Stadt aus Mörtel, der Sie umarmt ein antikes Werkzeug der Bindungstheorie , mindestens aber über die Alpen. So überbordend und spleenig ihre Sprache auf der einen Seite ist, so zurückhaltend und reflektiert ist sie auf der anderen.

Liebt metaphorische, auch cartooneske Schlieren. Ihre fragmentierten Narrationen sind einiges, zum Beispiel märchenliche Areale, in denen die Dinge erstaunliche Relationen erfahren Das Sein dieser Gedichte erscheint wie im Kaleidoskop geschüttelt.

Semantische Gewagtheiten überspielen ein vertrügerischtes Geläuf. Es ist die Art von Poesie, die es darauf anlegt, nicht austariert zu sein. Zwischen all den Geheimnissen dieser Autorin ist wirklich Geheimnis.

Ein Geheimnis, das uns bisweilen den Schönheitsarm reicht. Zwischen Salat und Sellerie, oder abgetaucht in Möhren und Radieschen. Kein Einheimischer macht diese Arbeit. Nicht alleine weil die Arbeit so schwer ist oder niemand Lust auf solche Arbeit hat, sondern weil man in Deutschland mit diesem Lohn seine Familie kaum dauerhaft ernähren kann.

Am Tag werden die Stimmen im Feld sehr leise und erst wieder lauter, sobald alle abends in das Containerdorf zurückgekehrt sind und die erste Körperreinigung mit Schlauch und kaltem Wasser stattgefunden hat. Dort, wo auch die Wäsche von Hand gewaschen wird, wenn der Euro für den Waschautomaten zusätzlich für die Familie zu Hause gespart werden muss. Tagsüber menschenleer, nachts müde und still. Zwischen Gleichgültigkeit und Hackordnung. Das Leben findet abends nur 3 Stunden lang statt.

Wie nahe darf ich der Containergesellschaft kommen? Sind die Menschen hier anders, als ich sie in den Heimatländern kennengelernt habe? Die meisten strahlen noch mehr Würde aus als in ihrem Heimatdorf. Stephan Grätzel, Hermann Recknagel, Dr. Marcel Schilling und Katharina Schultens. Welcher Abstraktion bedarf also der Blick auf ein offen daliegendes Wattenmeer bei Ebbe, um in ihm zugleich den gefluteten Sand zu erkennen? Viel mehr noch, es ist kaum möglich, sich das zum Mond fliehende Wasser als eine einzige gerichtete Bewegung zu denken, die aufgrund von Perspektiven Stellung des Mondes zur Erde zweigeteilt erscheint.

Ich kann den Meereskörper auf die humane Form, den menschlichen Körper, übertragen, sie unterwerfen sich beide der Mondkraft.

Aus diesen Körpern erwächst deren abstrakte Form, der Gedichtkörper, der sich aus beiden Formen zu speisen versteht. Der grausame Mond hinterlässt bei Ebbe das nackte Skelett der Dinge, das sich der Interpretation entzieht, macht sie verständlich und begehbar.

Der liebe Mond befüllt die nackten Knochen mit Fleisch und formt sie zum multidimensionalen Individuum, nicht selbsterklärend, nicht ohne Einsatz begreifbar. Er kennt die Zahl. Fast wirken die Texte wie eine kabbalistische Beschwörung. Mystik, die sich ins Absurde wendet, aus dem Absurden aber auch wieder heraus.

Zuweilen erinnert das an automatisches Schreiben. Als hätte Breyger die Souveränität ganz an die Sprache abgegeben, als setzte er sich ihr aus, ihren Feinheiten, ihren Konnotationen, auch dem Schweren, das sie birgt. Breygers Verssprache ist Fluss und Sediment zugleich.

Wie kann ich solche Fragen verhandeln, in Sprache, in Handlung? Und er besticht durch die Vielfalt in Sprache und Stimmung: Tugend, Schönheit, Vergänglichkeit, Tod. Wo ruht denn dein Youtube-You, man meint, es tapse, ganz Tierbaby, rührend in deinen Stapfen, tut, als wärs du, jedoch dein Du spielt, Flaum von Pappeln, in deiner Frisur, Hauptsache, nicht du als Double, du, du, wer schenkte dir deine überirdisch helle Gestimmtheit?

Gehört dies Hampeln zu dir, strickst du dir Gewichte? Wir trinken auf dein Bleiberecht im Pferch, verjubeln mit Behufe unsre Buhrufe, dein Gesicht justiert mitnichten des Aliens Mienenspiel, einen knuffigen Hund imitiert es, blinzle ihn hin, lass ihn glücken, schaffst du sacht Hervorlugen unter Stirnfalten, kannst du brachial artig sein?

Kein hautfarbener Hauptpart, nur Zotteln, Troddeln, warum schmilzt du nicht hin? Das Zottlige der Welt, wenn man Glanz nicht kann, ist seine eigene, lahmarschige Trambahn. Einige Türen gehen einfach zu. Das sind die Buchstaben. Ich musste unbedingt zu den Schafen hin, musste ihre Wärme wiederspüren, verlangte inbrünstig nach ihnen, ihre beinahe menschlichen Stimmen überall in meinem Ohr auf freiem Feld.

Und der Schäfer sagte: Wieso hattest du denn nichts gesagt? Als du in deinem Ge- mäuer Hirt auf Herd zu reimen dachtest. Und es nicht fassen könnend, immer weiter ziehen zu müssen und dabei nicht im Geringsten fremd zu sein. Und mit dieser Farbe wollen Sie da reingehen?

Hast du gesehen, den Schmerz vorbeigegangen? Ja, ich hab den Schmerz vorbeigehen sehen. Er zog vor meinen Augen vorüber, mit wohltuender Musik, Bestiales begleitend.

Musik ist kein Träger von Moral. Und damit bist jetzt nicht du gemeint. Ich liebe den Garten des Glücks. Die Sprache hat gar nichts angerichtet. Fast in eine Negierung des eigenen Körpers. Ist das hinein oder hinaus? Seine Sprachirritationen und kleinen Sinnverstörungen entwickelt er aus Überschneidungen und der Kontamination von Fremdem, aus dem plötzlichen Abbruch von scheinbar konsistenten Argumentationslinien, die ihren Anfang nicht selten in und aus der Sprachlogik nehmen und sich dann unerwartet gegen diese kehren.

Damit steht Traxler in einer anregenden Auseinandersetzung mit Texten von August Stramm bis hin zu Oswald Egger, ohne dass es epigonal wirkt. Jetzt sind wir aber doch sehr fachlich geworden.

Vielleicht ist er aber auch alles das, was ein Gedichtband ist oder sein könnte. Da dieses Buch alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Dichtung eröffnet, jede Tür aufkickt oder zuknallt, sich für die Ankunft oder den Anruf bedankt Es sind Wanderzeichen oder Symposien, Zusammenkünfte und Weiterentwickeltes.

Traxler kennt die Bergpfade und Rutengänger. Das ist selten genug und hoch beachtlich. Zuerst kaum ansprechbar, dann ganz zart. Du hast nie wirklich deine Verlangen gestillt und schützt dich noch gegen den Regen. Ein bootsförmiger Hut als umgedrehtes Kentern. Die Sehnsuchtszeit ist das, was nicht mehr geschehen würde, steht in dem Gedicht Hebräische Sprache von Jacek Gutorow.

Du musst mir also nur sagen, was du nicht mehr willst, dann kannst du diesen Tisch einfach verlassen. Und singend laut in Fröhlichkeit: Je kleiner der Gedanke, umso grösser muss das Kunststück sein.

Trugst das weisse T-Shirt, damit die Flecken, wenn du getroffen würdest, drauf sichtbar sein könnten. Aber das Blut nahm dann einen ganz unerwarteten Verlauf.

Zurück auf den Hügel. Authentisch kommst du nie als der Falsche rüber. Losen wir dem Geschirr zu die Gefässe. Konnte mal erkennen, wohin das Heimatgefühl kann.

Woher das Heisshungergefühl kam. Wie immer unvorsichtig verzeihen. So ausgeschlossen kann man dich nicht einschliessen. Jahrhundert in Frankreich entwickelte. Von einem Tag auf den anderen in eine unverständliche Klangwelt versetzt, durchlief das Kind zum zweiten Mal den Prozess der Sprachaneignung.

Wie formen Fiktionen meinen Alltag, indem sie in ihm anwesend sind, in Denk- und Sprachpraxis, mein Handeln mit- gestalten? Und mit welchen, auch künstlerischen, sprachlichen Strategien lässt sich dem entgegenwirken?

Elastische Fährten, die von Ohren aus expandieren. Schmirgeln, Schlürfen, Knarzen und Quietschen. Unwuchten, wo Erosion sichtbar wird. Wo jemand überempfindlich ist, etwas nicht schon versteht.

Der Wille des Ichs ist nicht mehr Garant seines Könnens, sondern flimmernder Grund der Architekturen und Ich-Territorien, der Begriffe und vom Ich aufgerichteten Wahrheiten, aus denen es selbst nun lugen und lügen will. Eine klanglich-anorganische Paronomasie, um auch die strenge Sprache der Lyrikanalyse zu bemühen, beziehungsweise eine Anomalie deutsch-französischer Freundschaft ist ausschlaggebend für die vielleicht schönste Zeile des Bandes: Es ist eine weiche und sanfte, wirklichkeitstaugliche und im Überfluss der Verknüpfungen lebende Tonalität, die nicht nur aufrüttelt, sondern auch denkerisch überzeugt und wieder einmal zeigt, wie sehr Sprache und Denken strukturell bis in die Einzelheiten der Syntax zusammengehören.

In einem Gedicht wird notiert: Warum gelingt das Daniela Seel so gut? Es ist der Eigensinn, der betört, die Art, wie sie die Ablagerungen in den Wörtern ausforscht, wie sie Gefühle darstellt, Bilder auf ihre Glaubwürdigkeit abklopft, das eigene Erinnern seziert. Dann diese, die blattförmige Störung. Ja reiten sie denn, die alten Weisen? Gewöhnungen vorgelagert, schlägt Welle an und erbt einen Strand. Es rauscht wie aus Projektoren. Ich meine es ernst bis genau zu dem Punkt, wo Sie mir entgegenkommen.

Aber die Nebengeräusche, die Zähnchen. Ihr schreckliches Keckern über rostroten, verwirbelten Feldern. Ein Tagesmarsch noch ins Basislager. Funken Widerstand über Grenzen des Datenempfangs. Dass niemand die Passage allein durchsteige.

Ich weinte, versuchsweise bei. Soll Liebe derart beschaffen sein, oder zubereitet? Ein Satz wie ein Seil. Woran Fremde mikroskopisch zerstiebt, schüttelt von Schultern Prärie, rippenlicht. Denk an frühe Nächte im Park.

Nicht innehalten angesichts solcher Landschaft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Falbs Gedichtzyklus sprengt alle traditionellen Erwartungen an Lyrik. Statt Metrum, Reim und Strophe regiert das mehrbezügliche assoziative Verknüpfen von prägnanten Bildern und Redeteilen. Das Gedicht als ein Ort reiner Möglichkeiten. In strömenden, tauchenden und steigenden Sprachbewegungen treibt Falb seinen Text Richtung Erkenntnisgewinn voran.

Hier wird Scholastik mit Wissenschaftsdisziplinen wie Historischer Geologie enggeführt und für die Kunst fruchtbar gemacht. Die Hand derjenigen, die die rites de passage der Lesung nicht durchstehen will die auf sich zeigende Hand der Immanenzebene der Dichtung nicht loslassen, die aus dem goldgestickten Sammetmantel heraussteht.

Ortszeit des Texts ad Sprevum. In dieser Lage hilft nicht mehr viel weiter, eines aber hilft immer: Zur Nachtschicht aller Zöglinge der Augenblickskunde. Es sind altmodische Chansons, also kein Pop in dem Sinn. Die Krypto-Diva steht am Rand und tonlos lacht sie. Dann lacht sie wieder laut, doch tanzen tut sie nicht. Ein Rabe hebt sich in die Lüfte. Neben ihm stürzt ein Wunsch, der keine Flügel hat, in die letzte Tiefe. Kommt sogleich wieder herauf, stemmt sich über die Kante und singt mit der Diva ein schwieriges und liebes Duett.

Die CD wurde kongenial von Andreas Töpfer gestaltet. Lied vom Stiegenhaus Freunde, kommt mit in das Stiegenhaus. Wir steigen lässig Schritt für Schritt hinauf, bis wir ganz oben unterm Dachfirst stehn, jetzt kann es nur noch in die Wolken gehn, für den Absturz ist später noch Zeit.

Der Herbst bei kookbooks. Zum Anschauen hier lang. Wird da, wo abstruse Zwänge wirken, das Konzept von Zwang selbst karnevalisiert? Dichter, Leser und Idiot haben sich aufgemacht, die brennendsten poetologischen Fragen der letzten Jahre zu beantworten. Das Kirmespony, das jahrelang Nacht für Nacht alles noch einmal durchgemacht hat, ist losgeschirrt.

Der Sonntag des Metaphernmenschen dämmert, die Trommel rollt ins Bergwerk zurück. Es geht um die Dialektik von Schutz und Schutzlosigkeit und darum, was nach der Poesie kommt. Denn wenn das Salz dumm wird, womit wollen wir es salzen? Woher die Konjunktur der Figur des Idioten? Wann wurde die Peepshow endgültig zum Sarg? Und was ist eigentlich mit der Diva passiert? Erfahren Sie, warum Sie wirklich unglücklich sind und woran diese Gesellschaft eigentlich krankt. Lesen Sie Witze, die so unfassbar gut sind, dass der Verlag dazu rät, bei der Lektüre einen Helm zu tragen und finden Sie Türen, wo vorher keinen waren.

Der Essay als Literatur zweiten Grades oder auch: Der Essay aber auch als geistiges Hinterland der Lyrik. Das alles ist ungeheuer turbulent, atemberaubend klug, auch mal überkandidelt, dabei immer anregend, gebildet, stolz, überschwänglich und traurig.

Bleibt nur, dem Idioten, der Diva und der Dichterin ein schönes Fest zu wünschen. Sie werden es nicht bereuen. Indem man sich überfordert, sagt Monika Rinck. Erst einmal streiten diese Essays für etwas, nämlich für das Gedicht und seine Relevanz in der gegenwärtigen Gesellschaft. Monika Rinck wagt eine Bestandsaufnahme, was die Lyrik heute überhaupt noch will und kann.

Und dann streitet dieser Band wider die Ignoranz gegenüber dem Gedicht. Und sie streitet wider den Usus, die Lyrik als geschätztes Kulturgut zu hätscheln und zu tätscheln, ohne sich mit ihrer Gegenwart auseinanderzusetzen. Auf die selbstgestellte Frage, ob die Autorin gerne schwierig sei, findet sie, wie zu erwarten, keine schnelle Antwort. Doch der direkte Angriff ist die Sache des Idioten nicht.

Zunächst muss er parieren, und Rinck pariert im Stile einer Aikido-Kämpferin, die die Energie des Angreifers aufnimmt und gegen ihn selbst wendet. Der Idiot steht einer Allgemeinheit gegenüber, die ihn nicht versteht, oder zumindest nicht verstehen will. Das letzte aber, was Rinck will, ist, diesem Umstand mit Larmoyanz zu begegnen. Zentrale Begriffe sind Albernheit und Humor.

Fühlt sich die verständliche Sprache eigentlich herausgefordert, da es die poetische Sprache gibt? So wie sich die poetische Sprache herausgefordert sieht, von der Tristesse der Verwaltungssprache und dem Einerlei der Mediensprache und dieser Misere etwas entgegensetzen will. Etwas, das nicht mehr aufgeht in Information und nur unter Verlust von Schönheitssinn und Schuppenmosaik referierbar ist.

Ja, sicher, das ist das Mindeste, was ich tun kann, nach allem was geschehen ist. Flammarions Greyout Stirn aushebeln, Gaumen quer, Brille putzen, und los Die Reflexion etwa auf das Sprachmaterial von der poetischen Bewegung zu lösen, sie ins Verhältnis zu setzen, bedeutet, einen Teil ihrer Dynamik anzuwenden: Jeder Ansatz ist im Voraus überformt Wie die Pfeile ins Öde gehen, triftig oder sediert.

Und der Schreck vor der Erstreckung bei gleichzeitiger Beschränktheit jetzt. Die Gedichte holen die Sprache der digitalen Welt, der Ökonomie und der Politik in ihren Rhythmus und spielen sie neu durch. Dieser Eindruck des Unaufdringlichen und zugleich Reflektierenden verdankt sich der Form, die sie für ihre Texte gefunden hat. Es ist ein Verfahren der Überblendung, das die Texte bestimmt.

Das beginnt bei den Wörtern selbst, die kleinen lautlichen Variationen unterzogen werden, auf dass sich Verschiebungen in der Bedeutung zeigen: Rotiere, axial, öffne die Lavapümpchen, hinten, über den Gruben, wo einst die Fittiche, ja. Voll hehrer abendländischer Referenzfallen ist das ständig überraschende Vokabular dieser Verse und voll ekstatischem Spott über allen hehren Glauben an die reine Tradition.

Als würde höchstes Bildungsgut lustvoll mit Autotune-Stimmverzerrer vorgetragen, ergibt sich immer wieder die Frage nach der synthetischen Gemachtheit aller Erfahrungen, die aus dem künstlich spiegelnden Venice-Venedig dieses Bandes heraus auch eine nach der Gemachtheit der Geschlechter ist.

Echtes Begehren, gibt es sowas? Mir wurden Bohnen versprochen. Ich setze die 3 D-Brille ab und bemerke, wie flach der Kopf meines Vorsitzers ist. Überhaupt scheint Verwunderung und Verstörung so etwas wie der Grundantrieb der lyrischen Produktion vom Brockes zu sein.

Und auch ihre Nähe zur bildenden Kunst. Im Zyklus Gemäldegalerie zum Beispiel nimmt sie das in anderen Texten tastende der Spracharbeit zurück zugunsten des Beschriebenen, dessen Tasten wiederum auf die Beschreibung und sein Subjekt zurückwirkt. Vielleicht bin ich es, die sich an ihnen vergeht, wie leblos, die sich einklinkt, um eine Seele zu finden? Diese Vorsicht bedeutet jedoch nicht, dass die Autorin auf Verwegenheit verzichtet.

Behutsam mischt sie Bedeutungsebenen und verwegen zersetzt sie begriffliche Grenzen. Diese Kombination mag paradox klingen, entwickelt in den Texten aber einen ganz eigenen erkenntnisfördernden Reiz. Anrede Auszug Dass Sie mir fortbleiben, ist wichtig für unsere Leiber, die, Sie werden es zügig bemerken, sich nur durch Pusten kurzzeitig runden, denn sie sind perforiert.

Dieses Pusten ist das eigentlich Lächerliche, und dennoch ist es zu würdigen. Es fehlen die Techniker, die herausheben aus dem Humus. Oder doch keine Fanta? Je mehr Menschen Ihnen gestorben sind, desto mehr Augen schauen auf Sie und baden selbst sich als Wasser. Ob aus Ihnen, abgespiegelt und strahlend im blinden Kopfhinterfeld, oder aus dem schrägen ziehenden Ort, durch den sie geschluckt sind.

Und ihre Augen geöffnet, als trüge das Schaudern kein Umriss, wie nur bei Augen, die für immer geschlossen sind.

Zum ersten Mal kann ich das sagen. Und nach Jahrzehnten noch gäbe es keine Kartoffelchips im Ausschnitt. Zum ersten Mal kann ich das sagen, weil das Lieben nicht in der Spitze seiner spitz zulaufenden Tüte erstickt; ich liebe Sie. Sie sind mir flimmernd, Sie kennen das, und zwischen uns saust das Sein. Kunde Das Doktorphantom auf der Terrasse. Wenn du jetzt deine Slipper ausziehst beschützt dich die Schlange oder greift sie dich an?

Nein du hast keine Ahnung. Zahlst die Pommes und taumelst bläst in den Pan-Hals, knackst und denkst an Gregor, Saskia oder Ev mit dem dicken, sichtlich erschöpfenden Haar.

Sie trägt ihr Kind wie angeboren, dazu ein Broschenaccessoire. Während du reinkriechst, mal wieder die Brüste verspielst beheben und zur Büste versteinst. Jetzt beschützt dich die Schlange oder greift sie dich an? Jahrhunderts in seiner Missionstätigkeit bis nach Amerika gelangte. Auch der Sektenselbstmord in Jonestown und säkulare Heilsbewegungen wie die Chicago Boys schwingen hinein; zudem gibt es Anklänge an Rockkonzerte und Hausbesetzerszenen.

Alles ist erfunden und doch aufs Köstlichste wahr. Denn hier entfaltet der Autor seine Geschichte pietistischer Renitenz in weiten erzählerischen Bögen, ohne diese narrativen Elemente sprachkritisch zu relativieren. Seine poetische Kraft bezieht der Band aus der Erfindung skurriler Figuren und einer überbordenden Fabulierlust.

Das Prosagedicht lässt sich als zugespitzte Mentalitätsgeschichte des heutigen Berlins lesen, die bis ins Jahr zurückreicht.. Am Ende jedoch begeht ihre radikalisierte Sekte Selbstmord. Das Frühjahr bei kookbooks. Ein Vogel im Flug: Ich versuche ihm beizukommen, indem ich seine reale Bewegung durch eine Bewegung des Textes ersetze. Ich muss das nicht tun. Das Flügelflattern wird als Wort synchron, im Satz beginnt es wieder zu flattern wir sagen: Die Überformung des alltäglichen Lebens durch die konformistische Ökonomie des Kapitalismus muss aufgelöst werden, will man hinter die Kulissen blicken.

Diesen Blick gewährt der in vielerlei Hinsicht erstaunliche und kühne Band tatsächlich, für einen kurzen Moment. Dabei wird die Sprache, ihre Wortmaterialität, ihr fluktuierender Klang, nicht nur Malmittel für die Imagination, sondern zugleich zum zweiten Gegenstand der Wahrnehmung..

In ihren englischen Versen, in der fremden Sprache, erklingt ein lockerer, alltagsnaher, erzählender Ton. Das Gewicht der Welt offenbart sich an den kleinen Dingen. Wie wäre es, wenn man wirklich alles hinter sich lässt? Rike Scheffler verleiht diesen Phantasien durch ihr musikalisches Gespür einen Drive, der eine hypnotische Wirkung entfaltet: Das gefällt den schwarzen Bienen, sie sammeln seit der Steinzeit.

Ein Picknick mit Bienen ist immer auch ein Potluck: Friedlich ist das Summen der Bienen nicht. Ein Therapeut reicht beim Picknick Bestechungsgläser mit Pfefferminzbonbons rum. Darüber die Bienen, eigensinnige Mobiles, die den Wind korrigieren. Welche geheimnisvollen Botenstoffe treiben sie an? Welche Schwarmbindungen gehen sie ein? Wenn seine Einschätzung zutrifft, dann vermittelt uns Karla Reimert eine Form von Wahrheit, weil es existenzielle Fragen sind, die unser Leben als Schatten wirft und die in diesem Band poetisch in den Blick des Lesers gerückt werden.

Das tröstet insofern, da der Abschied von ihren Gedichten ein Abschied auf Zeit ist, weil man diesen Band gern wieder zur Hand nehmen wird. Geradezu meisterhaft um diesen etwas angestaubten Begriff zu benutzen spielt Reimert auf dieser dialektischen Klaviatur im für mich zentralen Kapitel des Buches: Der Titel kündigt es an. Hier wird religionswissenschaftliches Vokabular mit gedanklicher Reiseerfahrung verknüpft. Das ist einzigartig und in seiner Verknüpfung von Aufklärung und Mystik ein politischer Kommentar zu den Verwerfungen unserer Zeit.

Das macht diesen Text so aktuell wie kaum einen anderen. Und so endet er: Weder dass die Krängung nur ein Buchstabe von der Kränkung trennt, noch das Picknick, oder das es mit schwarzen Bienen stattfindet. Karla Reimert hat ihren ganzen Gedichtband bewundernswert dicht und doch durchlässig gewoben..

Wie kann man den Faden benennen, der alles durchläuft? Dieses Verhältnis von Ehrgeiz und Schmerz, dass sich nur mit grimmigem Humor auflösen lässt? Und so wird dieser Gedichtband wohl noch lange ein Buch bleiben, mit dem ich nicht fertig werde. Das Manuskript zurück mit neunzig Kommentaren. Nicht klar genug die Zusammenhänge zwischen Marienerscheinungen bei Kindern und Verflachung mystischer Erfahrung durch Demokratisierungsprozesse.

Schwankende Haltung, schwer vermittelbare Ambivalenz. Dazu Nebenwirkungen des Heiligen: Ressentiments, Haarausfall und eine schmerzhafte Wundrose im Gesicht. Bespiegelt, wo genau sich Geschichte mischt mit Humanismus und Theologie. Fehlender Trost von Haustieren. Feiere ein Picknick mit Wein. Lade Kinder zu Besuchen bei Toten. Notizen auf dem Schreibtisch: Gott als Ausweg aus der Sprache ist so gut wie jeder andere auch. Verlängerung der Abgabefrist um weitere drei Monate.

Denn in der Arbeit steckt ein stark narratives Element, ich möchte eine Geschichte oder die Geschichte zu einer Geschichte erzählen. Fotografie kann sich glücklicherweise heute von dem Zwang befreien, sich einordnen lassen zu müssen. Ich arbeite eher phänomenologisch. Ich versuche, mich Dingen aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Es kann sein, dass ich mit dieser Herangehensweise auch einmal scheitere, aber ich bin auch der Überzeugung, dass ich nicht zwangsläufig zu einem wie auch immer gearteten Ergebnis gelangen muss.

Es sind die sinnlichen Wahrnehmungen, die eine Grundlage für die Darstellung bilden. Insofern geht es um Farben, Formen, Geräusche, Gerüche. Es spricht eine rhetorisch versierte globale Playerin, ein Ich zwischen Chart-Analyse und Spekulation, betrieben dank Herdendynamo, müde im Labor. Man kann daher diese Gedichte durchaus gesellschaftskritisch lesen. Sie sind aber nie so verkniffen oder simpel wie es politischer Dichtung manchmal unterläuft.

Nein, Katharina Schultens hat Humor, und ihre Gedichte knistern erotisch Die Börsensprache arbeite ja mit Mystifizierungen, meint Schultens im Gespräch. Da habe eine Vereinnahmung stattgefunden, die wolle sie rückgängig machen. Gerade die Chartanalyse verwende faszinierende Metaphern: Und dann gebe es Worte, die ganze Heldengeschichten transportieren, oder Fabelwesen, den Bären und den Bullen zum Beispiel Medusa, die für die Entweihung ihres Tempels von Pallas Athene in ein Monster verwandelt worden ist, sei eine Leitfigur ihrer Gedichte, weil sich an ihr die Frage stellen lasse, ab wann ein Verhalten oder eine Formulierung eigentlich monströs werde, erklärt Schultens und wird gleich konkret: Sie interessiere sich für die Prozesse, die ablaufen, wenn das Berufliche ins Private einwandere, wenn Freunde beispielsweise auf einmal auf To-do-Listen landen.

Zum einen schafft sie es als einzige deutschsprachige Dichterin hinter die Fassaden unserer hauptsächlich durch die Finanzwirtschaft hervorgerufenen Krisen zu schauen, zum anderen präsentiert sie damit ein Netz aus Mythen und surrealen Zusammenhängen.

Selbst da, wo ihre Bildkombinationen noch so schrill sind, bringt sie das mit einer fast unheimlichen Selbstverständlichkeit rüber und stellt damit eine glaubwürdige, hochfiktive Realität her. Aber schliesslich produziert die Beobachtung der Beobachtung selbst nur subjektive Realitäten, denen oft der ontologische Verweis verloren geht, so dass sich dieses Konstrukt in reiner Fiktion auflöst. Da aber ein Beobachter auch immer ein Ausgeschlossener bleibt, hängt man als Leser, also als Beobachter dritter Ordnung, oft ein bisschen in der Luft und bleibt theoretisch nur an der Oberfläche des Textes.

Obwohl das mitnichten wenig ist, fallen die Texte tendenziell wieder in die Autoreferenzialität und die Dekonstruktion zurück. Doch das ist jetzt ein Problem der praktischen Theorie.

Vergesst sie und geniesst das Buch! Eine gesichtslose Medusa, schlangenumrankt, modisch und mondän gekleidet. Weil sie mit bedenklicher Leichtigkeit aufzeigen, wie weit die Verquickung von Leben und Kapitalismus fortgeschritten ist. Dass Schultens stellenweise einerseits plakativ wird und andererseits sehr intime Themen aufgreift, verstärkt das noch: Unkommentiert steht die lautstarke Wut auf das System neben der Hilflosigkeit und Verlorenheit der zum Normalzustand geronnenen Entfremdung.

Das reibt sich zwar aneinander, schlägt aber deswegen umso mehr Funken.. Oder auch Scheinheiligkeit, Heuchelei. Der Kapitalismus hat kein Gesicht, dafür aber viele Masken, unter denen die Krisen schwelen. Es ändert jedoch zuerst nichts, noch nicht.

Denn der Kapitalismus steckt in uns, so wir auch in ihm stecken. Wir kalkulieren die Menschen um uns, ganz so wie und eben weil sie uns taxieren. Das wirklich Schlimme, das Grauen erregende ist daran, dass wir das nicht mehr realisieren, geschweige denn reflektieren. Das tut weh, sicherlich. Es mag an ihrer Widerständigkeit liegen. Wer gute Gedichte will, muss sie auch aushalten können. Daneben bin ich froh, so wenig zu wissen. Und das, was ich gerade geschrieben habe, überholt sich doch gleich wieder selbst.

Na ja, wenn du mich vielleicht etwas früher gefragt hättest. Und es gibt vielleicht auch ein politisches Moment in diesen Texten, das Anderssprechen, als eine Art Befreiung vom Zugriff, von lähmenden Sinntiraden.

Und nichts gegen Herkömmliches. Mir gefällt einfach nur das Zulassen. Aber jetzt komme ich ins Schwatzen, reime auch schon. Reime mir was zusammen. Über die Landschaften östlich von Isfahan und im Berblinger Weitmoos hätte ich vielleicht noch etwas sagen können. Und über den Garten. Ein Spiel mit der Wahrnehmung von etwas, das so alltäglich ist, dass man es kaum wahrnimmt, es sei denn, man misst ihm Bedeutung bei.

Und bei Showghi hat alles Bedeutung, vor allem das vermeintlich Unbedeutende, das, was man zu übersehen neigt, was die selektive Wahrnehmung aus dem Grundrauschen des Alltags zuverlässig rausfiltert. Assonanzen, Alliterationen, Rhythmus, all das wird behutsam und sicher eingesetzt. Man kann sie als Vermessung der Zeit, als Orientierung im Raum und Vergewisserung des sich auf diesen Achsen bewegenden Ich und seiner Körpergrenzen lesen.

Doch die Suche selbst gerät in Fluss. Liegt Zauber erst einmal auf der Hand, dann schon woanders, lässt sich dieser Vorsprung leicht mit Flurlicht verwechseln und gleich verlieren vor lauter Luft. Sehen rechts oben einige Fadenwolken, wie uns hier, in der entstandenen Situation. Wir bewegen Tee und Obst und was dazu passt: Zucker als einzelnes Wort mitten im Garten. Der helle Schein kommt jetzt von der Sonne links oben. Und findet das Kind, das meine Hände, eine Weile auch mit einer Reichweite hat.

Hin zur vergehenden Zeit. In dieser entstandenen Situation. Jeder bescheuerte Spiegel fragt: Wer ist die Schönste im ganzen Land? Alle Gesten sind schon da.

Das Thesenartige, Essayistische drängt sich hier in den Vordergrund, Szenen und Figuren werden mit nur wenigen Sätzen skizziert. Das verleiht dem gesamten Text etwas Glasklares, eine erfrischende Kühle des Denkens, die sich oft in faszinierend ungewöhnlichen Bildern niederschlägt..

Dennoch ist es vielleicht symptomatisch, dass dieser Roman abseits der Saison im kleinen und extrem feinen Berliner kookbooks-Verlag erscheint und von einem Autor stammt, der.. Das Buch hat bei aller amüsanter Schrägheit etwas Herbes, Ungeschliffenes; es kommt ohne das Bling-Bling vieler anderer zeitgenössischer Romane aus.

Genau darin aber, in seiner Überwindung des Popromans, zeigt sich sein zukunftsweisender Wert. Es gibt keinen Ausweg aus dem Verbrauch, und die Dinge lachen sich tot darüber. Und dann geht es los, ich kann nichts dafür: Meine Schuhe vibrieren von einem Muhen, eine Kuh fordert ihre Haut zurück, sie will das Leder schrittweise wiederhaben. Dazu ist sie nur kurz in der Lage, mein Blick bohrt ihr ein Vergessen ins Bild. Bisher ist es meistens glimpflich ausgegangen, nur einmal musste ich ein obszön sich aufweichendes, sich nach und nach in alle Einzelteile auflösendes Automobil beobachten.

Doch ich kann den Gedanken nicht loswerden, dass wenigstens die Anorganischen in den Bilderfallen bleiben sollten. Paul ist ein kritischer Mensch, einer derjenigen, die ihre Stimme am Denken schulen wollen, eine selten gewordene Spezies. Ihr könnt zusehen bei eurem Zerfall, keine Chance. Es gibt die tollsten Apparate, die all das aufnehmen, ihr seht es in Überschärfe am Bildschirm, in irgendeiner Casting-Show, ihr könnt es mit Grafikprogrammen aufbrezeln, falls gewünscht.

Die pure Vorbereitung aufs Marketingleben, das Profil- und Exzellenzleben, ein ununterbrochenes Bewerbungsleben, das erbrochene Kontrollleben, ein komfortables Auto- und Handyleben, ein beglaubigtes Vertrags- und Medizinleben und vermutlich auch ein Pluto- und Saturnleben.

Schrei in den Hörer und melde dich mit einem tief empfundenen Hallo, das dir das Trommelfell verdreht, denn du bist mittendrin in diesem einen Leben, wenn du etwas sagen kannst. Du bist dein eigener Berater, es kommt auf dich an und auf dich zu, denn auch du bist Europa, kannst Europa sein, ganz allein. Dein Gehirn, dein Land, dein Reich komme. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus.

Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht.

So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Kulisse einer Menschensehnsucht, eingebettet in eine Urbanität, die er vergessen machen soll, obgleich sie ihn erst ermöglicht. Letztlich konkurriert er schon heute mit den Freigeländerevieren an den Rändern der Ballungsgebiete, die wiederum längst mit den angestammten Lebensräumen der letzten noch wild lebenden Tiere konkurrieren.

Welche Menschen bauen was für Tiergehege und warum? Mögen die Kamele, wie sie wohnen? Und wie fasst man das in Worte? Schos schmaler Band wiegt auf seine Weise eine Menge staubiger Studien auf und gibt der Erkenntnis etwas zurück, was sie im akademischen Aufklärungs- und Postaufklärungsbetrieb verloren hat: Ihre sinnliche und witzige Komponente, ohne dass dadurch ihr ernstes Anliegen gestört würde, vielmehr wird es dadurch in seiner Ernsthaftigkeit noch bestärkt.

Wollen wir von einem Wunder sprechen? Kein zweiter Pelz so dicht und heute kaum mehr zu bezahlen. Hier in den Speiskübel verladen. Oder einfach zwei Otter, die sich nun eingefunden haben zu einem stillen Komplott und dann zusammen eingeschlafen waren über den Plänen von regennasseren Tagen, einer Idee von Spülung, Unterhöhlung, Strömung und fortgetragen werden. Zu viele endeten hier als Wrack, vor den Küsten ebenso wie in der Stadt.

Zwei Ozeane zum Sinken. Lasst mich zum Schlafen hier im herben Liebesrausche. Blauweinflecken auf den Lippen. Die Freiheit, den Rausch zu verkosten oder an ihm zu nippen wie an einem kostbaren Gift, das Hugenotten herbrachten als Shiraz. Man kann alles mischen, nicht allein den Wein verschneiden. Warum alles meiden, wozu die ganzen Verbote?

Wo bleibt die Zeit? Hat sich nicht gestern erst alles verschoben? Ich kenn den Sog der Strudel und den Strom der Nacht. Ich schiebe mich leise über die Klippen, ein Shark Spotter hisst eine schwarze Fahne: Man ist blind für verwunschene Orte, die durch Verstrichenes in die Zukunft sehen. Nass in nass gleich invertierten chinesischen Zeichen schwimmen wir in tuschschwarzen Teichen, Otter aus Grasschrift, wie Chinesen kalligrafische Schnellschriften bezeichnen, die kaum noch Lesbarkeit erreichen und ganz im Bild aufgehen.

Wir schreiben den Text in die Tiefe eines durchlässigen Elements und verwischen beim Schreiben bereits jede Spur, womit lässt sich das noch vergleichen?

Mit der Tanzsprache der Insekten? Oder den Händen eines Präfekten, die er in Unschuld wäscht? Den Anfang von etwas wiederfinden, das man nicht selbst begann, gibt es nicht aussichtsreichere Fron?

Sich an irgendetwas halten, das bleibt ein Traum von zwei Ottern im Eimer, vermahlen zu samtweichem Opus caementitium. Warum pfeifen nicht längst alle Spatzen vom Dach, dass Uljana Wolf wieder ein Meisterwerk veröffentlicht hat? Dass ihre Gedichte schön und voller Erkenntnisse, und ja, auch voller Witze und Kalauer sind?

Nicht nur indem Wolf Gesetzestexte und Vorschriften in ihre Gedichte webt, verknüpft sie das Alltägliche und das Poltische mit der Poesie. Ich glaube, es liegt eher daran, dass sie so präzise ist, dass sie neben der Fantasie, neben der Fähigkeit Verknüpfungen herzustellen, über eine Genauigkeit verfügt, die ihre Gedichte so besonders, und so besonders wertvoll machen.

Und dann lässt sie die Details explodieren, in einem Gedicht. Aber vorher hat sie ein Netz aus Poesie gesponnen, aus dem sich der Leser weder befreien kann noch will. Und dieses Netz ist gemacht aus dem, was ist. Pure Gegenwart in einer verwirrenden Klarheit. Produkte, die in Deutschland verkauft werden, müssen auch deutsch beschriftet sein.

Was tun Gedichte im Raum einer Kommunikation, die schnelllebig ist und kaum Pausen zulässt? Wohin trägt eine Sprache, die sich über ihre Tragweite nicht sicher ist? Das amortisiert sich nicht.

Wenn es dunkel ist, trägt ein Schatten auf die Schicht Licht, die eine Lampe auf die Dunkelheit gelegt hat, eine weitere Schicht Dunkelheit auf.

Wenn es dunkel ist, hebt ein Schatten unter der Schicht Licht, die eine Lampe auf die Dunkelheit gelegt hat, die Dunkelheit wieder hervor. Betritt man sein Zimmer über eine Ru? So greifen Marquardts Texte konstruierend in das ein, was längst schon konstruiert und vorhanden ist und woran doch immer weiter noch gearbeitet wird. Was sich nicht aufrechnen lässt. Ein Handbuch vom Gehen und Stehen in Gedichtform?

Ist etwa Sitzen eine typische Haltung des Denkens? Oder doch lieber liegen, nein hüpfen und springen? Wie ändert Bewegung mein Reden? Zwinkere aus meiner streunenden Form. So überschatte ich den Nebenmann, quetsche Zartheit in seine Taschen.

Vom Gehen und Stehen. Professor Gnu gibt sich optimistisch: Helm aus Phlox, S. Der Fragehorizont, der sich beim genauen Lesen freisetzt, weist der Vorstellungskraft viele Wege. Das erzeugt einen regelrechten Sog, man möchte sich, von diesen Versen geführt, gerne immer weiter aufregend verirren. Mit Lust probiert sich hier die Sprache semantisch, rhythmisch, metrisch aus. Und oft geht es lustig zu in diesen Gedichten, die um ihre Leuchtkraft wissen, auch wenn sie im Zustand der Ruhe liegen: Seine Poesie hat ihre redegewandte, ebenso anmutige wie raffinierte Lebensform gefunden.

Ihr Titel sollte sie bewusst irreführend als Übersetzung ausweisen, um den persönlichen Hintergrund zu verschleiern. Sie wecken sozusagen jene Gedichte, die noch unter der Vorlage schlummerten.

Dadurch gelingt es den Beiden gleichzeitig aufzuzeigen, dass sowohl die AutorInnen als auch LeserInnen jeden Text stets aktualisieren, erweitern, verändern können bzw. Uljana Wolf , Christian Hawkey: Needless to say this never happened.

We've been talking about Jackson, ever since the fire went. Vom experimentellen Prosagedicht bis zum guten, alten Endreim scheint für jeden Geschmack etwas dabei zu sein. Das ist nicht ansatzweise so abwertend gemeint wie es möglicherweise klingt. Welcher Art von lyrischer Prophezeiung man auch seinen Glauben schenken will, Jackson zeigt die Vielfalt ihrer Erscheinungsformen auf.

Die griechischen Götter und Giganten waren die Superhelden der Antike. Wie ein monumentaler 3D-Comic erzählt der berühmte Pergamonfries ihre Geschichten. In Marmor gebannte Energie. Defragmentierung der alten Platten. Pulsierende Reappropriation statt Antikenkitsch. Zu den Clips online geht es hier , eine Leseprobe findet sich hier. Falkner will die Konfrontation mit den Idealen vergangener Kunstepochen nicht ironisierend abfedern, sondern die Widersprüche gestalten.

Diesen hochgesteckten Anspruch löst Falkner ein, wenn er lyrisches Pathos, manipulierte Idiome und IT- oder Werbejargon kollidieren lässt. Dazu gehört auch der Mut zu sagen: Warum haben wir nun für die erste umfassende deutsche Ausgabe der Gedichte von Michael Palmer den Titel Gegenschein gewählt?

Es meint den schwachen Schimmer, der durch die Anstrahlung kosmischen Staubs entsteht und in Opposition zur Sonne in dunklen Nächten und fernab aller künstlichen Lichtquellen zu beobachten ist. Alexander von Humboldt hat den Begriff in dieser Weise geprägt.

Er bezeichnet im Deutschen auch einfach die Oppositionsstellung zur Sonne. Der Übersetzer mag es auf seine Arbeit gegenüber dem Original beziehen. Bei Palmer klingt es an seine Vorstellung von der counter-tradition an in der er sich sieht , und bei Celan gibt es Gegenwort und Gegenlicht.

In Gegenschein sind vielleicht die vielfältigen Brechungen und Oszillationen angesprochen, die im Werk von Michael Palmer aufschimmern. Ein wesentliches Paradox dieses Werkes ist es, dass es gerade vermittels seiner vielen Anleihen völlig originär und einzigartig wirkt, dass sich seine vielen Mosaiksteine und Partikeln zu einer neuen unvergleichlichen Sprachmusik fügen, die absolut nichts Epigonales hat oder als Pastiche erscheint.

Der Abglanz wird so zu einem ganz eigenen Leuchten, zu dessen Wahrnehmung verfeinerte Instrumente vonnöten sind. Kosmischer Staub, der auf den Flügeln von Nachtfaltern wiedererscheint. Durch diese Texte werden wir in subtile Welten entführt und erfahren das Glück einer andauernden leichten Erschütterung, sowohl im Sprachlichen als auch im Körperlichen.

Genug ist genug ist genug von. Komisch dass deine Hand sich warm anfühlt Schnee fällt sorgsam. Komisch dass die Seite genau zerrissen wurde wo der Schnee anfing.

Es gab nie sehr viel. Es gibt mehr weniger als es gab. Heute ist es 84, 74 und 12 und hell und dunkel. Wir sind nirgendwo sonst. Sein Lächeln fiel auf eine Seite. Hier und da war es sehr hell und dunkel. Das Buch gegen Verstehen. Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer G.

Das erste Buch von Dagmara Kraus! Sie schillern und stieben, oszillieren zwischen Sprechweisen, staffeln und streuen Bedeutung; sie sind existenziell, verspielt, polyglott und voller prosodischem Eigensinn. Ehrlich, so haben wir das noch nie gelesen. Aber die Lawine bleibt ja. Die Bedrohung geht nicht weg. Ich glaube, Dagmara Kraus muss so leise sprechen, wie sie spricht, um neben dem ganzen Glanz die Lawinen aushalten zu können. Deshalb ist sie Dagmara Kraus und nicht Dagmar Krause.

Sie schreit nichts heraus, sie spricht ganz leise, und trägt trotzdem alle Lawinen in sich. Die Lawinen sind nur einen Buchstaben weit entfernt. Im ursprünglichen Wortsinn des Protokolls gibt es einen klebrigen Kern: Ein zusammengeleimtes Buch ist gemeint oder, spezieller: Das steht am Anfang des Buches, wird ihm aber zuletzt eingeklebt. Es gibt die Klebrigkeit der inneren Fixierung, die auf immer wieder erneutes Durchdenken dringt, und es gibt den unvergesslichen Honig an den Schuhen, in der Tasche, an den Fingern, der an den unachtsamen Moment seines Verschüttens erinnert.

Auch dies kann als ein Protokoll gesehen, wenn auch nicht gelesen werden. Oder nehmen wir den Körper als Protokoll unseres Lebens, für den Verlauf der Zeit, dem wir unterliegen. Nehmen wir den Honig als Protokoll des Bienenflugs und als Auskunft über die von ihnen gerade noch erreichbaren Blüten.

Die Honigprotokolle sind beinahe quadratisch und ineinander verfugt wie Kacheln. Sie bilden ein Raster, das ihre Ordnung offenbart. Sinne, Affekte, Materialien oder eine Angst, die gestern noch in die Zukunft ging. Auch davon berichtet das Protokoll. Es wendet sich an Konzepte, die es nicht abstreifen kann: Die Arbeitsteilung erfolgt via Reizschwellen, die eine Folge der Vielfachpaarung sind. So wird eine hohe Bandbreite von Empfindlichkeiten garantiert.

Und wahr reden sie. ION Doch es ist wie beim Bienentanz: Am Ende wird nur noch für die beste Höhle getanzt. Manche Sätze würde man am liebsten auswendig lernen: Innerhalb des einzelnen Texts suchen die beiden menschlichen Hälften einander häufig in Form einer semantischen Rahmenstruktur, die ein zu Beginn gesetztes Thema verändert wieder aufnimmt.